DIE
AUSWANDERUNG DER HOTZEN NACH UNGARN UND IN DAS BANAT
THE
EMIGRATION OF THE HOTZEN TO HUNGARY AND TO THE BANAT
L'EMIGRATION
DES HOTZEN A LA HONGRIE ET AU BANAT
Summary: The Hotzen live and lived in the Hotzen Forest, the most southeastern part of the Black Forest. Their emigration to Southeastern Europe i. e. Hungary and the Banat began at about 1736 and lasted to the beginning of the 19th century. But not all the emigrants were volonteers, some were banned to the Banat by the Habsburg government especially after suppression of the Fifth Saltpeter-Makers Revolt. Many found a new home and came to wealth but also many found their grave because of the hard circumstances in the at those times swampy Banat. In the first decades of settlement the Banat was a real "mass grave for the Germans".
Die Auswanderung der Hotzen (= Bewohner des Hotzenwaldes, der südlichsten Schwarzwaldausläufer) nach Ungarn und besonders in das Banat muß erstmals in den Jahren 1736/37 begonnen haben. Nach den Feststellungen des Banater Historikers Leo Hofmann ist 1737 als das Jahr der ersten Einwanderung der Hotzen zu betrachten. Die ältesten Einträge über deutsche Siedler in den Pfarrbüchern der Pfarrei Neuarad, wohin die Alemannensiedlung Saderlach bis 1759 als Pfarrfiliale gehörte, beginnen mit September 1737.
Saderlach, das von den zugewanderten Alemannen im Jahre 1737 neu gegründet und neu besiedelt worden war, wies u. a. folgende Geschlechter auf:
Albrecht, Binkert, Dörflinger, Dreyer, Eckert, Gantert, Gerteis, Hoffmann,
Iseli, Knech, Malzacher,
Merkhofer, Morath, Müller, Schneider, Straub, Stritt, Sutter, Weißenberger,
Zimmermann, Zipfel.
Wie Jakob Ebner in seinem Werk "Aus der Geschichte des Hauensteiner Dorfes Unteralpfen" berichtet, hatten bereits am 25. Februar 1737 eine Anzahl Hotzenwälder eine Eingabe an die vorderösterreichische Regierung in Freiburg gerichtet, in der sie den Wunsch vortrugen, in das Banat auszuwandern. Diese erste Auswanderung erfolgte also auf eigenen Entschluß der Auswanderer, die zumeist aus der Einung Unteralpfen-Birndorf stammten. Etwa 27 Familien verließen die alte Heimat und zogen hinunter in das Banat. Ein Teil von ihnen gelangte zuerst nach Munar, später nach Deutsch-Rekasch. Andere siedelten sich in Saderlach an, das fortan die Hauptsiedlung der ausgewanderten Alemannen wurde.
Die folgende Auswanderung im Jahre 1755 war keine freiwillige, sondern eine zwangsweise. Sie erfolgte auf Anordnung der Kaiserin Maria Theresia nach Niederwerfung des fünften Salpeteraufstandes auf dem Hotzenwald. Damals, am 9. Oktober 1755, wurden durch das Waldvogteiamt Waldshut über Nacht in ihren Häusern auf dem Wald 112 Salpeterer verhaftet, nämlich folgende 27 Väter mit ihren Angehörigen:
Fridolin Albietz aus Buch, Jakob Albietz aus Etzwihl, Martin Artzner aus
Engelschwand, Fridolin
Bär aus Görwihl, Martin Bär aus Hierholz, Martin Beger aus
Oberalpfen, Johann und Konrad Ebi
aus Oberalpfen, Georg Ebner aus Birndorf, Fridolin Eckert aus der Rütte,
Fridolin Eckert aus Buch,
Michael Eckert aus Hogschür, Leonhart Gamp aus Dogern, Josef Geng
aus Hogschür, Johann Georg
Gerspacher aus Oberwihl, Nikolaus Gottstein aus der Rütte, Jakob Huber
aus Görwihl Adam
Jehle aus Dogern, Johann Baptist Kaiser aus Katzenmoos, Gregor Kummer aus
Buch, Josef Leber von
der Glashütte, Johann Marder, der Preuß von Eschbach, Johann
Georg Marder aus Waldkirch,
Johann Meier aus Niederalpfen, Johann Strittmatter aus Görwihl, Sebastian
Werni aus Kiesenbach,
Jakob Zimmermann aus Görwihl.
Sie wurden nach Waldshut abgeführt und nach Verlesung des kaiserlichen Urteils nach Ungarn verbannt. Es war ein schweres Schicksal für diese hartgeprüften Menschen, daß sie nun ihre Heimat, für deren Freiheit sie 40 Jahre lang zäh und trotzig gekämpft und gelitten hatten, auf diese Weise verlassen mußten. Unter starker Bewachung, die Männer paarweise aneinander gekettet, wurden diese Hotzen von Waldshut aus auf sieben Wagen bis nach Günzburg an die Donau gebracht. Alsdann ging es zu Schiff die Donau abwärts hinein ins Ungarnland, in das Banat, das ihre neue Heimat werden sollte.
Viele Hotzenwälder siedelten in Saderlach, andere ließen sich in Neubeschenowa nieder, wo sich kurz vorher wahrscheinlich die 1741 nach Raab, Ofen und Komorn (Ungarn) verbannten Hotzenwälder angesiedelt hatten. Wegen des höchst ungesunden, mörderischen Klimas konnten sie dort jedoch nicht bestehen und ließen sich später in gesünderen Gemeinden nieder, vor allem in Guttenbrunn. In dessen nächster Umgebung war schon 1736 durch Siedler aus dem Hotzendorf Gurtweil (bei Waldshut) eine Siedlung gleichen Namens entstanden. Früh begegnet man dort Geschlechtern wie: Albiez, Strittmatter, Eckert, Ebner, Bär. Andere Niederlassungen von Hotzen wurden errichtet in Hodschag, Parabutsch, Futok, Lippa, Oravicza, Temeschwar, Freidorf, Neu-Wien, Ujvar, Baracshaza.
Viele dieser Hotzenwälder Siedler kamen später im Banat zu Wohlstand und Besitz. Die Kunde davon drang in die alte Heimat und gab vielen Anreiz. Günstige Nachrichten, die man aus dem Banat erhalten hatte, bei den Jungen eine gewisse Neugier, das Ungarnland kennenzulernen, und vor allem die wirtschaftliche Not in der alten Heimat veranlaßten viele Hotzenwälder, den Wanderstab zu ergreifen, um bei den bereits in Ungarn ange-siedelten Brüdern eine neue Heimat zu suchen. Die Auswanderung nach Ungarn, d. h. in das Banat, trat in der Folgezeit in den Jahren 1759, 1767, 1772 und 1802 stark in Erscheinung. Allein aus der Einung Murg - eine der acht Einungen des Hotzenwaldes - sind, soweit aus den Standesbüchern der Pfarrei Murg feststellbar, in der Zeit von 1751- 1805 etwa 180 Personen nach Ungarn und in das Banat ausgewandert.
Die Abwanderung nach Ungarn Iäßt sich aus den Standesbüchern der Pfarrei Murg deshalb gut verfolgen, weil der damals in Murg wirkende Seelsorger, Dekan Anton Tröndlin, die Taufeinträge all derer, die nach Ungarn auswanderten, mit entsprechenden Vermerken versehen hat. Weitere wertvolle Angaben über die Auswanderung nach Ungarn konnten aus Gantprotokollen (= Zwangsversteigerungsprotokolle) und anderen Urkunden des Stifts Säckingen ermittelt werden.
Ab 1743 wanderten folgende Familien nach Ungarn in das Banat aus:
1743
Balthasar Baumgartner aus Niderhof, x Anna Baumgartnerin, Sohn: Martin
* 31.1.1733 Niederhof
Fridolin Ebner aus Zechenwil, x Magdalena Brutschin, Sohn: Fridolin *14.11.1738
Niederhof
1751
Andreas Baumgartner aus Zechenwil, x Verana Müllerin, Tochter: Magdalena
* 23.7.1746.
- Abfahrt 28.3.1751
Fridolin Baumgartner aus Burgmatt-Lehenhof, x Magdalena Einsiedlerin, Tochter:
Katharina* 5.8.1746
1753
Johannes Dobelin, Fährmann in Murg, mit Familie
1759
Jakob Bäumle, Hammerschmied in Murg, x Lucia Kirchbaumhoferin, Kinder:
Josef *1751,
Jakob *1754, Anna *1758
Jakob Baumgartner aus Niederhof, x Anna Schneiderin, Kinder: Sekunda *1752,
Anna *1754,
Johannes *1759
Fridolin Gerteiser aus Murg, x Katharina Bergerin, Kinder: Johannes Baptist
*27.6.1752,
Sekunda *1754
Johannes Schlageter aus Murg, x Maria Wernerin, Kinder: Josef *1754, Maria
*1758.
- Abfahrt 19.3.1759
Michael Huber aus Murg, x Maria Bäumlin, Kinder d. Ehefrau:
Maria Bäumle *1755, Josef Bäumle *1757. - Abreise 26.3.1759
Fridle Bäumle aus Murg. - Abreise 19.2.1759
1767 Fridolin
Villinger aus der Diegeringer Mühle, x Regina Peyerin, Kinder: Maria
*1755,
Fridolin *1756, Celestinus *1758, Agatha *1765, Regina *1765
Josef Ebner aus Zechenwil, x Ursula Huberin, Kinder: Josef *1756, Fridolin
*1760, Katharina *1762,
Maria *1765, alle Zechenwil
Fridolin Lüthin aus Diegeringen, x Anna Strittmatterin, Kinder: Maria
*1758, Johann Baptist *1762,
Fridolin *1764, alle Diegeringen
Jokob Döbelin aus Rhina, x Maria Enderlin, Kinder: Maria *1762, Agatha
*1764, Katharina *1766.
- Abreise 11.3.1767
Josef Enderlin aus Rhina, x Katharina Zimmermännin, Kinder: Josef
*1759, Johannes *1764,
Jakob *1766, Anna Maria *1766, alle Rhina. - Abreise 11.3.1767
Fridolin Trayer aus Rhina, x Anna Mayerin, Sohn: Johannes
Fridle Bäumle aus Harpolingen
Johannes Bährin aus Niederzeihen (Fricktal, Schweiz)
1771 Johann
Baptist Gerteiser aus Murg, x Magdalena Rienklin, Kinder: Katharina *1762,
Sekunda *1766. - Abreise 5.5.1771
Josef Mayer aus Diegeringen, x Anna Schneiderin, Söhne: Johann Christian
*1761, Josef *1771
Jörg Baumgartner aus Diegeringen, x Katharina Eschbachin, Tochter:
Katharina *26.12.1770.
- Abreise 8.4.1771
1772
Jakob Grimm aus Zechenwil, x NN. Läberin, Kinder: Maria *1751, Agatha*
1754, Magnus *1761.
- Abreise 15.3.1772
Anton Tröndlin aus Zechenwil, x II. Maria Frickerin, Töchter:
(aus I. Ehe mit Anna Schlachterin)
Katharina *23.1.1752, (aus II. Ehe) Anna *16.6.1769. - Abreise 5.4.1772
Josef Ebner aus Niederhof, x Elisabeth Döbelin, Kinder: Josef *1756,
Maria
Magdalena *1760, Elisabeth *1762, Magnus *1764, Philipp Jakob *1767. -
Abreise 6.4.1772
Antonius Hurth aus Murg, x II. Magdalena Strittmatterin, Kinder: (aus I.
Ehe mit Maria Viktoria
Strittin) Sekunda *1757, (aus II. Ehe) Maria *1761, Anna *1762,
Maria Magdalena *1769.
- Abreise 4.4.1772
Fridolin Üblin aus Murg, x Maria Läberin, Kinder: Johann Baptist
*1763, Josef *1765.
- Abreise 4.4.1772
Johannes Huber aus Zechenwil, x Maria Läberin, Kinder: Johann Baptist
*1763, Josef *1765.
- Abreise 15.3.1772
Josef Sutter aus Murg, x II. Elisabeth Meyerin, Kinder: (aus I. Ehe mit
Katharina Honneggerin)
Josef *1760, Johann *1762, (aus II. Ehe) Elisabeth *1765. - Abreise 5.8.1772
Fridolin Umber aus Murg, x Maria Tröndlin, Kinder: Maria *1768, Josef
*1771. - Abreise 4.4.1772
Josef Binkert aus Rhina, x Lucia Huberin, Tochter: Maria *13.8.1770 Rhina.
- Abreise 5.4.1772
1786 Bartholomäus
Baldeschwiler aus Murg, x ?, Kinder: Margarethe *1784
um1795 Anton Riedlinger aus Niederhof,
Sohn des Dionys R.
1799 Jakob
Grimm aus Zechenwil, *12.7.1770, erlitt bei der Reise auf der Donau Schiffbruch
und
ertrank am 21.12.1799
1801 Fridolin
Tröndlin aus Niederhof, x Maria Baldeschwiler, Kinder: Ursula, Thomas,
Antonius
Josef Balteschwiler aus Segetan (Pfarrei Görwihl), x Maria Mayerin
aus Rhina
Johannes Balteschwiler aus Segeten, x Maria Baumgartnerin aus Diegeringen
Mancher Auswanderer machte sein Glück in der Fremde. Die meisten von ihnen hatten jedoch im Banat einen harten Kampf zu bestehen. Jeder Fußbreit Boden mußte mit deutschem Schweiß und Blut gedüngt werden. Viele von ihnen wurden in ihren Hoffnungen getäuscht und eine große Anzahl der Auswanderer wurden, weil sie das ungesunde Klima nicht ertragen konnten, schon in der ersten Zeit durch Seuchen und Sumpffieber dahingerafft.
So erfahren wir zum Beispiel vom Schicksal der Familie Enderlin aus Rhina durch einen Sterbeeintrag:
"Am 11. März 1767 wanderte Josef Enderlin, aus Rhina, mit seiner Gattin
(Katharina Zimmermann)
und seinen vier Kindern Josef, Johannes, Jakob und Anna Maria nach Ungarn
aus. Kurz darauf starben
im Königreich Ungarn der Ehemann und die Söhne Johannes und Jakob
mit der Tochter Anna
Maria. Seine Ehefrau kehrte mit dem überlebenden Sohn Josef heim und
kam am 1. Januar 1768 krank
und mittellos nach Rhina zurück. Dort beschloß sie am 11. Januar
1768, von mir mit den hl.
Sterbesakramenten versehen, ihr Leben. Ihr entseelter Leichnam wurde am
12. Januar 1768 (in Murg)
begraben, nachdem sie 37 Jahre dieses irdische Jammertal durchwandert hatte."
Ein ähnlich trauriges Los wie diese Familie hatten viele andere Auswandererfamilien jener Zeit. Das Banat war in den ersten Jahrzehnten der Besiedlung ein wahres "Massengrab für die Deutschen", das viele Familien verschlungen hat. Die Not und die harten Kämpfe der Siedler im Banat werden auch bestätigt durch einen alten Volksspruch:
Hier ist das Banat.
Den es reut, ist zu spat.
Der nicht kann arbeiten wie ein Gaul,
Fressen wie eine Sau,
Bellen wie ein Hund,
Der wird im Banat nit gesund!